faust2, kapital und schulden



"Rückkehr nach Reims" - nach dem Roman von Didier Eribon
Michael Rettig, Schwankhalle Bremen, November 2019

Zwanzig Jahre hat er seine Familie nicht gesehen, als der französische Soziologe Didier Eribon anlässlich des Todes seines Vaters zum ersten Mal wieder nach Reims reist. Das ist der Ausgangspunkt einer schonungslosen autobiographischen Recherche: Über sexuelle und soziale Scham, über das Arbeitermilieu, aus dem er kommt, und vor dem er als junger Homosexueller flieht. Über das akademische Umfeld, an das er sich in Sprache und Gestus anpasst und vor dem er seine soziale Herkunft versteckt. Über die eigene Familie, die früher mit Stolz links, jetzt aber resigniert Front National wählt. Eine Recherche, die nach den Ursachen des Aufstiegs des Rechtspopulismus fragt und dabei nicht mit Kritik an einer Linken spart, die sich von großen Teilen der Arbeiterschaft habituell wie politisch entfremdet habe.
Ein polyphoner Dialog zwischen einem Schauspieler und vier Musikern.

Michael Rettig, Regie und Klavier
Ralf Knapp, Schauspiel
Clovis Michon, Cello
Jin Kim, Violine
Riccardo Castagnola, elektronische Komposition und Sound



Karl Marx: "...die Verhältnisse zum Tanzen zwingen"
Michael Rettig, Schwankhalle Bremen, Mai 2018

Man müsse "diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt", dachte sich Marx...
Das versuchen ein Schauspieler, der sich mit Marx' Kapital beschäftigt und das Publikum zum Mit- und Nachdenken über die Bezüge des Textes zur Gegenwart animiert, ein Tänzer, der als Schattenspiel rastloser Verwertung und endloser Akkumulation über die Bühne geistert, ein Musiker mit einem Soundscape aus dem Sirren, Fiepen und Brummen der Hochleistungsrechner - sowie per Videozuspiel - die TAZ-Redakteurin Ulrike Herrmann.

Ralf Knapp, Schauspiel
Mirosław Żydowicz, Tanz
Riccardo Castagnola (elektronische Komposition und Sound)



Rosa Luxemburg

Michael Rettig, Schwankhalle Bremen, Dezember 2016

"Damals glaubte ich fest, dass das Leben, das richtige Leben irgendwo weit ist, dort über die Dächer hinweg. Seitdem reise ich ihm nach, aber es versteckt sich immer hinter irgendwelchen Dächern." Rosa Luxemburg
Revolutionärin, Jüdin, Staatsfeindin. Wer war diese Frau, die von Kindheit an hinkte, die - privat wie politisch - ihre eigenen Wege suchte? Was macht sie bis heute zur politischen Reizfigur? Wo hat sich Rosa Luxemburg geirrt, wo bleibt sie aktuell? Wohin mit ihrem Zorn?
Eine Annäherung an eine widersprüchliche, schillernde und lebenshungrige Persönlichkeit.

Franziska Mencz, Schauspiel
Magali Sander-Fett, Tanz
Miran Zrimsek (Cello), Kai Kowalewski (Flügelhorn und Stimme), Riccardo Castagnola (elektronische Komposition und Sound), Michael Rettig (Klavier)



Burnout-Monologe

Michael Rettig, Schwankhalle Bremen, April 2015

Das Phänomen der Erschöpfung ist keine Erfindung der Gegenwart. Mit dem Beginn der Moderne nehmen die Klagen angesichts grassierender "Ueberanstrengung, Ueberarbeitung und Ueberbürdung" deutlich zu. Es sind zuerst die Künstler und Intellektuellen, die sich ausgepowert fühlen. Max Weber, Kafka, Thomas Mann.
Heute rankt sich um den Burnout eine ganze Therapiebranche, deren wichtigstes Ziel die möglichst reibungslose Re-Integration der Erschöpften ins System der Erschöpfung ist...
Nietzsche: "Die Erschöpfung der Gesellschaft ist dort am größten, wo am unsinnigsten gearbeitet wird."

Ralf Knapp, Schauspiel
Christoph Ogiermann, Musik-Performance



Aller Tage Abend
nach dem Roman von Jenny Erpenbeck, Schwankhalle Bremen, März 2014

Ein jüdisches Kind stirbt 1902 im galizischen Brody. Oder doch nicht? Stirbt als unglücklich Liebende im Wien des Jahres 1919. Oder doch nicht? Stirbt 1938 als Verratene während der Zeit der Schauprozesse in Moskau. Als hochgeehrte Schriftstellerin in der DDR, als von allen Vergessene in einem Altersheim nach der Wende. Oder doch nicht?

Michael Rettig, Regie und Klavier
Miran Zrimsek, Cello
Magali Sander Fett, Tanz
Franziska Mencz, Lesung



Faust2, Kapital und Schulden 
Michael Rettig, Schwankhalle Bremen 2013

"Politisch angespitzte Version des Fauststoffes.....ein wuchtiger Monolog" (Weserkurier)
"Klar ist eines: Hier herrscht Zorn.....Szenenapplaus. Ein eindringlicher Abend" (TAZ) >

Mateng Pollkläsener, Schauspiel
Martina Flügge, Schauspiel
Christoph Ogiermann (Geige und Komposition), Mike Klagge (E-Gitarre), Kai Kowalewski (Flügelhorn), Michael Rettig (Klavier und Komposition)